Eine philosophische Betrachtung der momentanen Situation

Wir befinden uns als Welt in einer Krise, der Name ist jetzt: CORONA-Krise.
Aber ist die Bedrohung unserer Gesundheit, unseres Lebens wirklich der Virus ?
Betrachtet man die Zahlen, woran Menschen weltweit sterben, ist dieser Virus jetzt und vermutlich auch in einiger Zeit, nicht der Hauptgrund.
Vielleicht ist dieser Virus ein Stellvertreter.
Vielleicht macht er uns aufmerksam.
Aufmerksam auf unseren Lebensstil, aufmerksam, wie wir Beziehungen leben, aufmerksam wie wir uns als Einzelner in der Gemeinschaft der Menschen verhalten.
Sind wir bereit, für das Wohl aller, kleine Einschränkungen in Kauf zu nehmen ?
Vielleicht ein Treffen mit Freunden ausfallen zu lassen ? Ein geliebtes Ritual wie eine Massage, eine Walking-Runde, einen Saunabesuch, einen Stammtisch für 1-2 Wochen auszusetzen ?
Oder regt sich in uns der Widerstand und wir meinen, dass unser kleines Treffen mit so wenigen Menschen keinen Einfluss hat ?
Oder sind wir der Meinung, dass es auch jetzt immer noch nur darum geht, was ich für richtig halte, ohne Rücksicht auf die Gemeinschaft.
Manchmal bedeutet eine Entscheidung für die Gemeinschaft einen momentanen Nachteil für den Einzelnen.
Die Wirtschaft zeigt uns bereits in den letzten Jahren, wohin es führt, wenn nur mehr das Wohl des Einzelnen wichtig ist. Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer.
Der Mensch hat in den letzten Jahrzehnten also nichts gelernt.
Nun haben wir erneut die Chance zu beweisen, dass wir soziale Wesen sind. Jetzt zeigt es sich in erster Linie im gesundheitlichen Bereich.
Vielleicht verstehen wir es so besser.
Jedes Individuum ist ein Teil der Gemeinschaft und kann daher IMMER etwas beitragen.
Natürlich ist nicht jeder Mensch gleich, daher ist auch der Beitrag, den er zu leisten hat, nicht gleich groß.
Aber egal, ob groß und entscheidend für einen Staat, oder klein und kurz entscheidend für mein Privatleben, jeder Beitrag ist gleich wichtig.
Vielleicht geht es bei dem Aufruf soziale Kontakte einzuschränken, nicht nur darum, die Verbreitung des Virus einzudämmen, sondern vielleicht geht es auch darum zu beweisen, dass ich bereit bin, mich für das Wohl aller zu verändern.
Für mich als Ärztin bedeuten diese Wochen auch eine Zeit der Veränderung. Viele Behandlungen, die ich durchführe, sind keine Akutbehandlungen im klassisch medizinischen Verständnis, sondern eine kontinuierliche Betreuung, um mit Gesundheit und Krankheit umzugehen. Sehr individuell, nur auf den Einzelnen abgestimmt.
Ich weiß, dass dies auch weiterhin in Zukunft ein Großteil meiner Betreuung sein wird, denn das ist das, was ich am Besten kann.
Aber jetzt ist es auch für mich an der Zeit, die Gemeinschaft in den Vordergrund zu stellen.
Daher werden auch wir gemeinsam die nächste Zeit, solange es die Situation erfordert, die Behandlungen anpassen. Dies ist für uns alle eine Einschränkung für eine bestimmte Zeit.
Aber lassen Sie uns gemeinsam ein Zeichen setzten, jeder für sich: Ich bin bereit etwas zu tun, unabhängig davon, ob mein Nachbar, mein Freund oder sonst noch jemand dies auch tut, denn ich bin mir meiner Verantwortung als Mensch den anderen Menschen gegenüber bewusst.
Denn wenn wir es jetzt schaffen, das Bewusstsein für die Gemeinschaft zu entwickeln, fällt es uns vielleicht auch leichter, uns in anderen Bereichen einzuschränken:
Zum Beispiel:
-        Auf ein eigenes Auto zu verzichten, um das CO2 zu reduzieren
-        Weniger Fleisch zu essen, um das CO2 zu reduzieren
-        Mehr regional zu kaufen, auch wenn es teurer ist
-        Die direkte Umgebung wieder besser wahrzunehmen, ohne das ständige Bedürfnis zu haben, in der ganzen Welt zu Hause sein zu müssen
-        Sich wieder mehr auf die Familie zu konzentrieren
-        Die Einfachheit der Dinge wieder mehr wahrzunehmen
-        Die eigene innere Welt wieder mehr zu sehen und zu schätzen und die äußere digitale Welt wieder mehr sein lassen zu können
Nehmen wir diese Herausforderung an, um uns als Mensch unter Menschen wieder zu erkennen.

 
 



Dr. Karin Anzinger
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