Kneippanwendungen

Herkunft

Sebastian Kneipp, ein Priester aus dem Allgäu, hat die Wasserheilkunde in ein Lebenskonzept eingebaut, das zur Vorsoge, Heilung und Nachsorge dienen kann.
Er hat die Hydrotherapie verfeinert, die Behandlungen auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt und sich nicht nur der Wasseranwendungen bedient.
So hat er die Kneippsche Lebensweise definiert:
Die 5 Säulen sind:
1) Wasserkraft
2) Pflanzenheilkraft
3) ausgewogene und möglichst naturbelassene Ernährung
4) Bewegungstraining
5) Ordnungstherapie (Biorhythmik, Psychohygiene, Erziehung zur Gesundheit)


Wirkungsweise

Wasserkraft


Schon die Römer wussten Wasser zu schätzen. In den prächtigen römischen Thermen wurde Wasser nicht nur zur Reinigung, Entspannung und Zerstreuung, sondern auch zu medizinischen Zwecken angewandt.
Alles Leben kommt aus dem Wasser und die Hydrotherapie nutzt nicht nur die physikalischen Eigenschaften dieses Elementes, sondern auch die spirituelle Beziehung des Menschen zum Wasser.                 


Nach heutigen Erkenntnissen ist vor allem der Kältereiz für die medizinische Wirkung der Wasseranwendungen verantwortlich. Die vorgeschalteten Wärmephasen, beispielsweise bei Wechselbädern oder beim Saunabesuch, dienen hauptsächlich der Verstärkung des Kältereizes. Weitere Reize der Hydrotherapie sind Druck des  Wasserstrahls, hydrostatischer Druck der Bäder und chemische Reize bei Mineralbädern und Bädern mit Kräuterextrakten.
Ziel der Anwendung ist eine gesteigerte Durchblutung der Haut und eine Reizung der Druck- und Mechano-Rezeptoren sowie der sensiblen Afferenzen, der Thermo- und Schmerzrezeptoren mit Folge einer vegetativen Umstimmung und Regulation.
Die verbesserte Durchblutung bewirkt ein warmes und gleichzeitig erfrischendes, wohlig-entspanntes Körpergefühl, das sich nach einem Kaltwasserreiz einstellt. Diese schnelle, akute Wirkung der Hydrotherapie kann zur Linderung vielfältiger Beschwerden eingesetzt werden: Schmerzzustände, Kreislaufschwächen, Durchblutungsstörungen, fiebrige Erkrankungen, Schlafstörungen oder Atemwegsbeschwerden.
Der besondere Stil der Kneippschen Wassertherapie ist die Teilanwendung und die größte Ausnutzung der verschiedenen Temperaturen. Diese Temperaturreize wirken mehrfach:

-  Ökonomisierung der Kreislauffunktion
-  Eine Gefäßwirkung, die eine verbesserte Durchblutung zur Folge hat
-  Eine Stoffwechselwirkung, die den Abtransport von Schlackenstoffen ermöglicht
-  Eine entspannende Wirkung auf die Muskelfunktionen
-  Eine vegetative Harmonisierung.
-  Eine unspezifische Immunstimulation (Abhärtung)

Phytotherapie (Pflanzenheilkunde):

Wenn man Kneipp nicht den "Wasserdoktor" genannt hätte, wäre er wohl als "Kräuterpfarrer" in die Geschichte eingegangen. Auch in der Phytotherapie setzte Kneipp auf sein Prinzip "milde Wirkung, die einen dauerhaften Einsatz erlaubt, der nahezu frei von unerwünschten Nebenwirkungenk ist."

Viele heute gebäuchliche Pharmaka sind pflanzlicher Herkunft. Unter Phytotherapie versteht man jedoch die Behandlung mit ganzen Pflanzen, Pflanzenteilen und deren Zubereitungen. Kennzeichnend für diese Form der Arzneimittel sind deren Mehr- und Vielfachstoffgemische, die in ihrer Gesamtheit eine Wirkeinheit bilden können. Grundsätzlich müssen an Phytotherapeutika die gleichen wissenschafltichen Anforderungen wie an andere Wirkstoffe gestellt werden, allerdings sind dabei die den pflanzlichen Arzneien eigenen Charakteristika zu berücksichtigen. Selbstverständlich sind Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit die Voraussetzung für eine Anwendung am Patienten.

Ferner  müssen Phytophamaka frei von Schadstoffen (z.B. Pestiziden, Herbiziden oder Schwermetallen) sein. Durch Standardisierung der pharmakodynamisch aktiven Stoffe können die differierenden Wirkstoffkonzentrationen konstant gehalten werden. Die therapeutische Breite von Phytotherapeutika ist meist groß. Unerwünschte Wirkungen sind selten, jedoch ist besonders auf Allergiesierungen sowie auf Photosensibilisierung zu achten. Phytotherapeutika haben ihr wesentliches Indikationsgebiet bei funktionellen Störungen, adjuvan können sie aber auch bei organischen Erkrankungen oft erfolgreich eingesetzt werden. Die Homöopathie, die größtenteils Mittel pflanzlichen Ursprungs verwendet, wird von ihren maßgebenden Vertretern ausdrücklich nicht unter die Naturheilverfahren eingereiht, sondern als ein spezieles therapeutisches Prinzip betrachtet.



Ernährungstherapie:

Kneipp formulierte prägnant: "Für alle, welche gesund beleiben wollen, ist vor allem vom Schöpfer das Getreide bestimmt.
Seit den 60er Jahren finden Ballaststoffe ind er Medizin eine größeree Beachtung, obwohl der Mensch seit Urzeiten diese Nahrungsbestandteilein großen Mengen zu sich genommen hat. Wissenschafter vertreten heute die Ansicht, dass die Häufigkeitszunahme von Darmerkrankungen, auch von DÄarmkrebs, ursächlich mit der geringeren Ballaststoffaufnahme in den westlichen Indurstieländern zu tun hat.

Zu Kneipps Lebzeiten nahmen die Menshcen pro Tag noch 60 bis 80 Gramm Ballaststoffe zu sich. Heute sind es nur 16 bis 20 Gramm. Schuld ist unsere moderne westliche Kost: viel zu wenig Vollkornbrot, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Obst und Gemüse - dagegen zu viel Fleisch, Eier, Fett, Zucker, Weißmehlprodukte.

In der Naturheilkunde spielt die Ernährungslehre seit jeher eine zentrale Rolle.




B
ewegungstherapie:

Von den fünf Methoden der Kneippschen Therapie  ist die Bewegungstherapie die mit am meisten vernachlässigte. Sport und Bewegung insbesondere Bewegung ohne Leistungsdruck sollten unbedingt von Jedermann ausgeübt werden.
Bewegung kann die Gesundheit vor allem durch ein regelmäßiges sportliches Training unterstützen. Im Vordergrund steht hier die Prävention oder die Wiedererlangung der  körperlichen Fitness nach Krankheit oder Operation. Im Gegensatz dazu wird Krankengymnastik gegen akute Beschwerden an einzelnen Körperteilen - wie erkrankte Gelenke oder verspannte Muskeln - eingesetzt.
Charakter der Kneippschen Bewegungstherapie ist eine aktive regelmäßige Bewegung ohne Leistungsdruck. Sie wurde von Kneipp ursprünglich eingesetzt vor und nach Wasseranwendungen, um den Kreislauf anzuregen, die Muskulatur zu erwärmen und die Hautdurchblutung zu verbessern. Die Bewegungstherapie beinhaltet das Wechselspiel zwischen Belasten und Ausruhen. Diese sanfte Mobilisierung verbessert die Funktion des Bewegungsapparates, trainiert das Herz-Kreislaufsystem, führt zu einer Normalisierung krankhafter Stoffwechselprozesse. Ein angeregter Muskelstoffwechsel wirkt präventiv z.B. auf die Entstehung eines Diabetes mellitus, indem er Insulinresistenz und Hyperinsulinämie vermeiden hilft. Bei mäßiger Bewegung wird Übersäuerung vermieden, es werden sogar eher sauere Valenzen vermehrt ausgeschieden. Gleichzeitig wird aufgrund des erhöhten Kalorienverbrauchs das Körpergewicht normalisiert. Angenehmer Nebeneffekt: Man kann mehr essen, ohne zuzunehmen.
Durch den vermehrten Blut- und Sauerstofftransport zum Gehirn wird die geistige Leistungsfähigkeit begünstigt und die seelische Entspannung gefördert. Nicht zuletzt stärkt eine gezielte Bewegungstherapie das Immunsystem.


Ordnungstherapie:


Die Strukturierung der äußeren und inneren Lebensordnung ist das Kernstück der kneippschen Ganzheitstherapie. Das Vermeiden von Risikofaktoren, Genussgiften und Reizüberflutung ist ebenso bedeutsam wie das Wiedererlangen des seelischen Gleichgewichtes. Dazu eignen sich die bekannten Entspannungs- und mentalen Stärkungstechniken wie autogenes Training, Yoga, Qi Gong. Atemtherapie usw.
Die Ordnungstherapie bildet nicht nur den Kern der Naturheilweise, sie ist auch wesentlicher Bestandteil aller ihr zugehörigen Verfahren. Wie bereits die “diaita” der klassischen Medizin ruft sie dazu auf, Ordnung im somatischen wie im psychischen Bereich herbeizuführen, sie es bei den Regulationssystemen, sei es bei den chronobiologischen Rhythmen. Dies gilt für
-  die sinnvolle Nutzung von Licht, Luft und Wasser,
-  den ausgewogenen Wechsel von Bewegung und Ruhe,
-  den maßvollen und klugen Gebrauch von Speise und Trank,
-  den richtigen Rhythmus von Wachen und Schlafen,
-  die Regulierung des Stoffwechsels und
-  Stabilisierung der Psyche.

Neben den im Einzelfall jeweils angezeigten physiotherapeutischen und diätetischen Maßnahmen sind hierzu auch entspannungstherapeutische Verfahren heranzuziehen, beispielsweise Autogenes Training, Lösungs- und Atemtherapie, Hypnose, gegebenenfalls auch Tanztherapie, Musiktherapie, kreatives Malen und Modellieren oder Bibliotherapie. Sie alle haben das Ziel, die auch im psychischen Bereich vorhandenen, jedoch nicht in ausreichendem Maß zur Entfaltung kommenden Selbst-Ordnungskräfte und Selbst-Heilungskräfte zu stärken und frei zu setzen. Für die ärztliche Praxis bedeutet dies, den Patienten bei der Gesundheitspflege engagiert zu beraten und bei Durchführung ihm aufgegebener aktiver therapeutischer Maßnahmen in psychologisch richtiger Weise unterstützend zu begleiten.
Die Ordnungstherapie hat sich aber nicht nur auf den einzelnen Menschen zu beschränken. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Bemühung um geregelte Beziehungen in der Familie und größeren Gemeinschaften sowie die Sorge um ein harmonisches Verhältnis zur Umwelt.
 
 



Dr. Karin Anzinger
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